Hast du schon mal einen Song zum ersten Mal gehört und innerhalb von drei Sekunden gewusst, dass du ihn liebst?
Nicht, weil du die Produktion analysiert hättest. Nicht, weil der Text sich dir schon erschlossen hätte. Dein Körper hat einfach gesagt: ja.
Ein winziges Heben im Brustkorb. Ein Lächeln, bevor du lächeln wolltest. Dein Fuß bewegt sich. Deine Schultern sinken. Etwas lehnt sich hin.
Und erst danach kommt der Kopf mit seiner Erklärung: Ich mag den Bass. Es erinnert mich an irgendwas. Ihre Stimme ist schön. Das fühlt sich vertraut an.
Wir reden viel darüber, wie der Körper auf Stress reagiert. Mich interessiert mehr, wie oft er auf Lebendigkeit reagiert.
Du betrittst einen Raum und willst sofort bleiben. Du triffst jemanden und das Gespräch läuft seltsam leicht. Du siehst eine Farbe und willst sie in deiner Nähe haben. Du hörst einen Rhythmus und deine Hüften antworten, bevor du den Beat überhaupt registriert hast. Du gehst nach dem Regen raus und atmest plötzlich tiefer.
Keiner dieser Momente muss etwas Großes bedeuten. Genau das macht sie interessant.
Der Körper bewegt sich ständig in winzigen Schritten auf Dinge zu und von Dingen weg. Er öffnet sich. Hält inne. Lehnt sich hin. Wird weicher. Wird heller.
Normalerweise bemerken wir die dramatischen Signale. Vielleicht lohnt es sich, auch in den angenehmen besser zu werden.
Erwisch das Ja
Bemerk heute irgendwann eine Sache, die dein Körper mag — bevor du erklärst, warum.
Verbessere den Moment nicht. Mach keine Übung daraus. Erwisch einfach das erste kleine Ja. Und bleib dann noch eine Sekunde länger dort. Was hat sich verändert?
Vielleicht ist Genuss nicht immer etwas, das wir herstellen müssen. Manchmal passiert er schon. Wir gehen nur zu schnell daran vorbei, um ihn zu bemerken.
Diesen Text auf Englisch lesen: Before You Know Why